Warum wir kein Private Equity anbieten

Finanzwissen
13.03.2026
5 Minuten

Ich werde häufig gefragt, warum froots kein Private Equity anbietet. "Alle anderen machen das doch jetzt auch", heißt es dann. Eine berechtigte Frage, denn wir erleben gerade so etwas wie eine "Demokratisierung".

Eine Anlageklasse, die früher nur für Pensionsfonds und Superreiche mit 5-Millionen-Tickets zugänglich war, wird plötzlich für normale Anleger:innen geöffnet (manche Plattformen bieten es schon ab einem Euro an). Das klingt nach Fortschritt. Wer will nicht dort investieren, wo die Profis sind?

Wir haben uns (vorerst) bei froots sehr bewusst dagegen entschieden. Nicht, weil wir es nicht können oder weil wir Private Equity prinzipiell für etwas Schlechtes halten. Sondern weil wir glauben, dass man verstehen muss, was man da kauft.

Was ist Private Equity eigentlich?

Zuerst müssen wir Begriffe klären. Denn hier wird häufig alles in einen Topf geworfen, um Produkte besser aussehen zu lassen.

Es gibt eine klare Evolution bei der Unternehmensfinanzierung. Ganz am Anfang stehen "Angel Investoren" oder "Venture Capital". Das ist echtes Risikokapital. Es fließt in junge Firmen, die Innovation vorantreiben wollen.

Hier sind die USA übrigens Weltmeister. Sie haben in den letzten 50 Jahren die besseren, innovativeren Firmen hervorgebracht, weil dort 75 Prozent der Finanzierungen vom Kapitalmarkt kommen. In Europa dominieren immer noch die Banken. Und diese finanzieren bekanntermaßen keine Experimente, sondern lieber Sicherheiten.

Warum erzähle ich das? Weil viele Anleger:innen dieses Bild von "Innovation" und "nächstem großen Ding" im Kopf haben, wenn sie Private Equity hören. Das Marketing der Branche nutzt dieses Image gerne. Aber das ist meistens nicht das, was dir als Privatanleger:in verkauft wird.

Wenn du heute einen Private-Equity-Fonds kaufst, landest du meistens im Bereich der sogenannten "Buyouts". Hier geht es nicht mehr darum, neue Ideen groß zu machen (das ist Venture Capital). Bei Buyouts werden bestehende, etablierte Firmen aufgekauft.

Das Prinzip ist ein anderes: Man nimmt ein Unternehmen (oft einen Mittelständler oder eine Kette) und versucht, es nach sieben bis zehn Jahren teurer weiterzuverkaufen. Das muss für die Firma nicht schlecht sein. Oft bringen diese Investoren frisches Kapital und Know-how, um Dinge zu skalieren, die der Gründer alleine nicht geschafft hätte.

Aber der Charakter des Spiels ändert sich. Es geht dann um den "Exit" für den nächsten Fonds. Es wird optimiert, Prozesse werden gestrafft, Bilanzen strukturiert. Es ist weniger romantisches Unternehmertum und mehr professionelles Finanz-Handwerk.

Passt Private Equity zu deinem Leben?

Es gibt aber Gründe, warum wir es derzeit ablehnen. Die Struktur passt nicht zum Leben eines normalen Menschen. Wenn du bei froots in den Markt investierst, arbeitet dein Geld ab Tag eins. Bei Private Equity gibst du ein "Commitment" ab. Du unterschreibst zum Beispiel: "Ich gebe euch 20.000 EUR." Aber der Fondsmanager hat die Firmen, die er kaufen will, ja noch gar nicht gefunden. Er läuft erst los und geht auf die Suche.

Vielleicht ruft er dich nach einem Jahr an und sagt: "Ich brauche die ersten 2.000 EUR, wir haben was gefunden." Dann passiert wieder nichts. Dein Geld liegt teilweise jahrelang unverzinst auf deinem Konto und wartet auf den Abruf. Für einen Milliardär mag das in Ordnung sein. Für jemanden, der Vermögen für sein Leben aufbauen will, ist das ineffizient.

Das Problem mit der "Demokratisierung"

Früher war Private Equity exklusiv. Du musstest Tickets von mindestens 5 Millionen EUR schreiben, um überhaupt die Chance zu haben, bei einem guten Fonds dabei zu sein. Das war nichts für "normale Anleger:innen".

Das führt zu einem Problem, wenn wir heute über die "Demokratisierung" sprechen. Wenn es plötzlich Zugang gibt und Apps dir Private Equity ab 10.000 EUR anbieten, muss man sich fragen: Warum? Die Top-Fonds, die wirklich diese starken Renditen einfahren, sind oft für die großen Tickets reserviert. Die suchen sich ihre Investoren aus.

Wir erleben gerade, dass diese Anlageklasse für die Breite geöffnet wird, genau in einer Zeit, wo es eigentlich schwieriger wird. Denn Private Equity hat jahrelang von extrem niedrigen Zinsen profitiert. Man hat Firmen mit viel billigem Kredit (Leverage) gekauft, was die Rendite künstlich gehebelt hat. Jetzt sind die Zinsen gestiegen. Der Hebel ist eher zur Bremse geworden. Und genau jetzt sollen Kleinanleger:innen einsteigen? Möglicherweise kein gutes Timing.

1) Accident waiting to happen?

Durch ELTIFs wird nun versucht, etwas illiquides semi-liquide zu machen. Das haben wir schon bei anderen Fonds wie Schiffsfonds oder geschlossenen Immobilienfonds erlebt. Wenn alle Retailinvestoren zum selben Zeitpunkt verkaufen wollen und müssen, wird es schwierig.

2) Wenn zu viele verdienen, bleibt der Kunde auf der Strecke

Dazu kommt die Kostenstruktur. Zu den Private-Equity-Gebühren kommt noch eine weitere Gebührenschicht: Neben dem Fondsmanager zahlst du auch die Plattform, die dir den Zugang verkauft. Diese Plattform macht aus einem großen Ticket viele kleine Stücke, damit Leute auch mit geringerem Vermögen einsteigen können, und lassen sich das gut bezahlen. Damit steigt die Hürde nochmal, um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen.

3) Private Equity ist nicht Private Equity

Last but not least: Es gibt kaum eine Anlageklasse, in der die Auswahl des richtigen Managers so brutal über Erfolg und Misserfolg entscheidet wie hier:

Quelle: J.P. Morgan (Guide to the Markets)

Wie die Grafik zeigt, liegen am öffentlichen Aktienmarkt die Rendite-Ergebnisse der meisten Fonds relativ nah beieinander (9,4% vs. 11,7%). Das Risiko, einen wirklich schlechten Manager zu erwischen, ist demnach überschaubar, da alle Zugang zu denselben öffentlichen Informationen haben. Bei Private Equity hingegen klafft eine riesige Lücke zwischen den Renditen der Top-Manager und der "nicht so guten" Manager (0,8% vs. 20,4%). Die oft zitierte "gute Durchschnittsrendite" ist statistisch nett, hilft dir aber wenig, wenn du im falschen Fonds investiert bist. Und das Risiko, danebenzugreifen, ist hier ungleich höher.

Willkommen im "Fantasyland"

Warum wollen es trotzdem so viele? Vertriebler:innen, die einem Private Equity schmackhaft machen wollen, zeigen gerne die Volatilität des Aktienmarktes und vergleichen sie mit einem Private-Equity-Chart, der wie ein glatter, entspannter Strich nach oben geht. Dieser Strich soll Stabilität vermitteln, ist aber meist irreführend.

An der Börse (Public Market) wird der Preis einer Firma jede Sekunde neu verhandelt. Wenn die Weltwirtschaft ins Ruckeln kommt, siehst du das sofort in deinem Portfolio. Das kann wehtun, ist aber unmittelbares Feedback. Im Private Equity bewertet der Fondsmanager seine Firmen oft selbst – vielleicht einmal im Quartal. Wenn es an der Börse kracht, kann der Private-Equity-Manager sagen: "Wir glauben, unsere Firmen sind fundamental gesund, wir schreiben den Wert nicht entsprechend nach unten."

Neben der Intransparenz kommt die Illiquidität dazu. Private Equity investiert in echte Firmen, Fabriken oder Infrastruktur – und die lassen sich nicht per Mausklick verkaufen. Stell es dir vor wie bei einer Immobilie: Dein Haus ist vielleicht 600.000 EUR wert. Aber wenn du es morgen verkaufen musst, bekommst du vielleicht nur 400.000 EUR.

Deshalb binden dich seriöse Fonds oft auf zehn Jahre. Zwar gibt es mittlerweile Produkte, die dir schnellere Ausstiege versprechen ("semi-liquid"), aber das Grundproblem bleibt: Die Werte dahinter sind fest gebunden. Wenn alle gleichzeitig raus wollen, geht die Tür zu. Diese Illiquidität ist per se kein Beinbruch, aber du musst für den Verzicht auf dein Geld ordentlich kompensiert werden.

Das bringt uns zu einem entscheidenden Punkt: Bei froots schauen wir uns die Fundamentaldaten an, um zu verstehen, ob ein Investment seinen Preis wert ist. Bei Private Equity läuft das anders. Du gibst dein Geld ab, noch bevor feststeht, welche Firmen damit überhaupt gekauft werden. Du investierst also nicht in konkrete Unternehmenswerte, sondern in die Strategie des Managers. Eine fundierte Bewertung, so wie wir sie verstehen, ist zum Zeitpunkt der Investition damit schlicht nicht möglich.

Der froots-Zugang

Versteht mich nicht falsch: Private Equity hat eine unglaubliche Berechtigung. Unser Ziel ist es, zu jedem Zeitpunkt das Beste für unsere Kund:innen herauszuholen für das Risiko und die Einschränkungen die Investments mit sich bringen. Für Illiquidität gegenüber anderen Anlageklassen wollen wir überkompensiert werden. Aber auch weil wir den Anspruch haben, dass unsere Kund:innen wirklich verstehen, worin sie investiert sind, tun wir uns mit Private Equity schwer.

Mit unserem bewertungsorientierten Ansatz, der Chancen dort sucht, wo andere gerade nicht hinschauen, ist es natürlich unser Ziel, ähnliche oder sogar bessere Rendite zu erzielen als ein durchschnittlicher Private-Equity-Fonds. Aber es geht nicht nur um Rendite: Du kommst jederzeit an dein Geld, du weißt jeden Tag, was dein Vermögen wert ist und du zahlst einen Bruchteil der üblichen Gebühren.

Wir freuen uns immer, wenn Kund:innen fragen, wie wir zu Dingen wie Private Equity oder anderen Trends stehen. Es gibt uns die Chance, unsere Philosophie näherzubringen und dir eine Strategie vorzustellen, die keine Schwankungen verheimlicht und auf ehrlichen, liquiden Werten basiert.

David Mayer-Heinisch

Gründer & Geschäftsführer

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