Vor zwei Jahren hätte eine umfassende Analyse unserer vergangenen Investmententscheidungen unser Team einen Monat beschäftigt. Warum haben wir die Entscheidung getroffen, wie haben sich die Rahmenbedingungen verändert, würden wir sie heute wieder so treffen? Wir haben Daten aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, aufbereitet, vergleichbar gemacht, Grafiken gebaut, Fehler gesucht und wieder von vorne angefangen. Heute brauchen wir dafür einen Tag. Wenn überhaupt.
Die ganze analytische Grundarbeit ist zu einer Commodity geworden. Wir können jetzt jede Frage, die wir an unsere Daten haben, in jeder erdenklichen Form stellen. Bewertungen über Jahrzehnte miteinander vergleichen, Regionen gegeneinander legen, vergangene Entscheidungen evaluieren. Und das nicht einmal im Quartal, sondern laufend. Was früher eine Armada an Analyst:innen gebraucht hat, geht jetzt mit einem vergleichsweise kleinen Team. Ich habe es selbst noch erlebt, was man dafür früher gebraucht hat. Der strukturelle Nachteil kleiner Teams gegenüber den großen Häusern geht mittlerweile gegen Null.
Das, was KI heute besser macht, ist nicht das, worauf es am Ende des Tages ankommt. Ich glaube sogar, dass es fast niemand schaffen wird, der jetzt eine Karriere im Investment startet, ein wirklich durchdachter, überzeugter Investor zu werden. Das klingt provokant, aber der Grund ist einfach: Man kommt zu schnell zur Antwort. Und wer zu schnell zur Antwort kommt, versteht viele Implikationen nicht. Man versteht nicht, warum die Frage überhaupt wichtig war.
Früher ist viel Zeit in Research geflossen. Du musstest dich in eine Materie vertiefen und auf dem Weg in die Materie bist du plötzlich auf einen Pfad aufgesprungen, der spannender war als die ursprüngliche Frage. Dieser Prozess hat Überzeugungen geformt. Und diese Überzeugungen sind das, was man braucht, um in schwierigen Momenten die richtige Entscheidung zu treffen.
Daten geben einem ein Gefühl von Sicherheit. Man hat Zahlen vor sich und denkt, man hätte eine solide Entscheidungsgrundlage. Aber Zahlen zerbrechen häufig an der Wirklichkeit, weil sie nur das abbilden, was messbar ist. Sie können nur schwer abbilden, was gerade geopolitisch passiert oder wie sich Stimmungen verschieben.
Was AI für uns wirklich verändert hat, ist nicht, dass wir bessere Antworten bekommen, sondern dass wir aufhören können, unsere Zeit mit Datenaufbereitung zu verbrennen. Und endlich die Zeit haben für das, was wirklich zählt: Nachdenken, diskutieren und spüren, ob etwas nicht stimmt.
Es ist wie im Leben: 90 Prozent der Zeit ist es richtig, früh aufzustehen, Gas zu geben und Routinen einzuhalten. Aber dann gibt es diese 10 Prozent, in denen Disziplin auch nach hinten losgehen kann. In denen man spüren muss, dass sich etwas fundamental verschoben hat und in denen Zahlen in den Hintergrund geraten.
Und diese Intuition, die auf Erfahrung basiert, kann kein Tool der Welt liefern. Sie kommt nur davon, dass man lang genug im Spiel war und weiß, wie es ist, wenn sich alles falsch anfühlt und man trotzdem an der eigenen Überzeugung festhält – oder eben nicht.
Gerade jetzt, wo die Welt sich schneller verändert als je zuvor, wo keiner von uns weiß, wohin sich diese geopolitische Lage hinentwickeln wird, was die Energiepreise mit den Unternehmensgewinnen machen, wohin die Inflation geht, ist diese menschliche Komponente nicht weniger wichtig geworden, sondern mehr.
Bewertungen kehren zum Mittelwert zurück, Menschen machen die gleichen Fehler, Geduld wird belohnt. Das sind Konstanten, die 1900 gegolten haben und die auch in einer KI-Welt gelten werden. Was sich ändert, ist die Geschwindigkeit, mit der man von der Frage zur Antwort kommt. Und das macht eine Sache brutaler sichtbar als je zuvor: Die Qualität des Gedankens ist jetzt alles. Wer die richtigen Fragen stellt, profitiert enorm. Und wer oberflächliche Fragen stellt, riskiert, einfach schneller mehr vom Falschen zu produzieren.
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