Gerade werde ich oft gefragt, wie ich die aktuelle Lage einschätze. Von Kund:innen, von Kolleg:innen, von Journalist:innen. Alle wollen wissen: Ist es schlimm? Wird es schlimmer? Soll ich verkaufen? Soll ich nachkaufen? Ich versuche, ehrlich zu antworten.
Wir haben gerade eine außergewöhnliche Situation. Die Verunsicherung am Markt ist real. Trotzdem sind die meisten Assets nicht günstig. Das ist eine Mischung, die nicht zu unterschätzen ist.
In den typischen Krisen der Vergangenheit sind Angst und fallende Preise Hand in Hand gegangen. Alle haben Angst, die Preise sind im Keller, also kaufst du. Diesmal kommen die Preise von einem Niveau, das schon vorher zu hoch war, wie in vielen meiner Market Insights zuvor beschrieben.
In den letzten anderthalb Jahren hat sich etwas verschoben, das man verstehen muss. Viele institutionelle Investoren haben begonnen, Kapital aus den USA abzuziehen und in Europa, Asien und Rohstoffe umzuschichten. Das mag nach einer guten Nachricht klingen, aber man muss sich die Dimensionen vorstellen.
Rund 73 Prozent des weltweiten Aktienmarktes steckt in den USA. Wenn selbst ein kleiner Teil davon abfließt und in kleinere Märkte wie Europa fließt, treibt das die Kurse dort überproportional – unabhängig davon, ob die Unternehmen mehr wert geworden sind.
Europäische Banken sind dafür ein gutes Beispiel. Sie waren einer der Profiteure dieser Umschichtung. Ihre Kurse sind letztes Jahr um rund 80 Prozent gestiegen. Ihre Gewinne sind allerdings nur um 8 Prozent gestiegen.
Der Markt hat also die Erwartung gekauft, dass Europa langfristig besser dasteht, die Fundamentaldaten haben jedoch nicht annähernd mitgehalten. Jetzt korrigieren die Kurse, während die Gewinne solide aussehen. Die Unternehmen wachsen langsam in ihre Bewertung hinein.
Genau diesen Mechanismus beobachten wir bei froots systematisch über Regionen und Sektoren hinweg. Wo driften Preis und Wert auseinander und wo beginnen sie sich wieder anzunähern? Wenn ich jetzt gefragt werde, wann wir mit dem “zuschlagen” beginnen, muss ich sagen: We are not in a candy shop yet.
Den folgenden Punkt übersehen viele: Wir kennen bisher nur eine Hälfte der Gleichung. Wir wissen, dass Preise gefallen sind (nicht sehr viel). Was wir noch nicht wissen, ist, was die aktuelle Unsicherheit mit den Unternehmensgewinnen macht. Was die Energiepreise mit den Margen machen. In welcher Form das, was gerade geopolitisch passiert, in den nächsten Monaten in der Realwirtschaft ankommt.
Solange wir das nicht wissen, können wir nicht sagen, ob die gefallenen Preise wirklich günstig sind oder ob sie einfach nur weniger teuer als vorher sind. Und falls die Gewinne tatsächlich einbrechen, heißt das nicht, dass wir überrascht wären – es heißt, dass wir wissen, worauf wir dann achten müssen.
Die meisten Anleger:innen scheitern nicht an der grundlegenden Beurteilung, ob es sich um ein gutes oder schlechtes Investment handelt. Sie scheitern viel mehr am Timing. Sie erkennen eine Chance zu spät, nachdem die Profis sie bereits erkannt haben und verkaufen zum falschen Zeitpunkt. Sie liegen richtig im ‘Was’, aber falsch im ‘Wann’.
Investorenlegende Benjamin Graham hat den Markt mal als manisch-depressiv beschrieben: An manchen Tagen will er dir alles für viel zu wenig verkaufen, an anderen Tagen verlangt er absurde Preise. Und mit der Informationsflut, Social Media und einer Welt, die sich gefühlt schneller dreht als je zuvor, wird er noch manisch-depressiver.
Und genau darauf ist unser Prozess ausgelegt. Nicht, indem wir aus einer Ölkrise lernen oder einer Finanzkrise oder aus einer Pandemie, sondern indem wir daraus lernen, welche Fehler Menschen in diesen Krisen gemacht haben. Und diese Fehler wiederholen sich zuverlässig.
Ja, die Welt, die wir die letzten 30 Jahre kannten, steht auf dem Prüfstand (darüber habe ich kürzlich in „Die Presse“ schreiben dürfen). Aber unser Prozess basiert nicht auf der Annahme, dass die Welt gleich bleibt. Er basiert darauf, dass Menschen gleich bleiben. Und dass es gerade in einer sich verändernden Welt entscheidend ist, in Cashflow-produzierende Assets investiert zu sein. Weil die sich anpassen.
Wenn die Inflation steigt, machen Unternehmen mehr Umsatz. Wenn neue Technologien kommen, adaptieren sie. Wenn sich Märkte verschieben, erfinden sie sich neu. Das passiert nicht über Nacht; es braucht Quartale, manchmal Jahre. Aber es passiert. Sorgen hätte ich eher bei dem, was sich nicht anpassen kann: einem Sparkonto, einem Bausparer, einer starren Anleihe.
Disziplin ist 90 Prozent der Zeit die richtige Antwort. Die anderen 10 Prozent brauchen etwas, das man nicht automatisieren kann: die Erfahrung zu spüren, wann man den Kurs halten muss und wann es Zeit ist, entschieden zu handeln.
Bei froots wollen wir möglichst viele Menschen auf eine Reise mitnehmen. Ihnen die Möglichkeit geben, rationale Investor:innen zu werden. Das bedeutet auch, zwischenzeitlich ein Minus im Portfolio aushalten zu können – hier kommt unsere persönliche Begleitung ins Spiel.
Die eigentliche Challenge für uns wird aber sein, in der Unsicherheit zu kaufen. Wenn sich die Chancen tatsächlich auftun – und das kann schneller gehen, als man denkt. Dann müssen wir bereit sein. Dafür braucht es eine Strategie, in die man so viel Überzeugung hat, dass man sie auch dann durchzieht, wenn sich alles falsch anfühlt.
Der Test kommt, wenn der Moment da ist und man zuschlagen muss. Jetzt ist aber noch Geduld angesagt.
Über das froots Market Insight: Mit unseren monatlichen Market Insights wollen wir Distanz zum Lärm der Märkte schaffen. Unsere Analysen beruhen auf der gleichen Logik, mit der wir investieren: bewertungsorientiert, antizyklisch und datenbasiert – gemessen mit froots360, unserem hauseigenen Bewertungssystem. Wer verstehen möchte, was unser Investmentansatz für die eigenen finanziellen Ziele bedeuten könnte, kann ein persönliches Gespräch vereinbaren, oder einen unverbindlichen Anlagevorschlag anfordern.
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