Portfoliomanagement Update 2026/06

Marktnews
24.06.2026
5 Minuten

Einleitung #

"It’s not what you buy. It’s what you pay." — Howard Marks

Als langfristig orientierte, bewertungsorientierte Investor:innen ist und bleibt unsere Überzeugung unverändert: Die Fundamentaldaten – die Gewinne und Cashflows, die ein Unternehmen erwirtschaftet – im Verhältnis zum Preis, den man dafür zahlt, haben die höchste Aussagekraft über zukünftige Renditen. Dieses Verhältnis – Preis zu realer Ertragskraft – steht im Zentrum unserer Arbeit.

Daraus ergeben sich aktuell zwei Schritte, die den Großteil unserer Portfolios betreffen: Wir reduzieren das Gewicht der Emerging Markets (Schwellenländer) und nehmen das Aktiengewicht in unseren Multi-Asset-Portfolios ein weiteres Stück zurück.

Marktanalysen & Herleitungen #

"This time is different – die vier teuersten Worte an der Börse." — John Templeton

Unsere Philosophie: Preis ist alles #

Wir sind systematische Investor:innen – aus einem einzigen, fundamentalen Grund: Rationale Entscheidungen schlagen Emotionen. Kurzfristig oft nicht, aber langfristig zählt nur die harte Realität der Cashflows. Jedes Asset – jede Aktie, jede Anleihe, was auch immer – hat einen Preis, zu dem es ein hervorragendes Investment ist, und einen anderen, zu dem es ein schlechtes ist. Das Asset selbst verändert sich nicht. Der Preis verändert alles. Never fall in love with a stock – denn Liebe macht blind: für Preise, für Risiken, für die Realität. Der Markt belohnt keine Treue. Er belohnt Disziplin.

Wie aktuell dieses Prinzip ist, zeigt der Markt gerade selbst. Über Jahre haben einige wenige Werte – die Magnificent 7 und andere KI-nahe Titel – die Kurse getrieben; zuletzt zog diese Dynamik weiter, etwa nach Südkorea oder Taiwan. Dort werden Cashflows zu sehr hohen Preisen gekauft, in der Hoffnung auf stark steigende künftige Gewinne. Doch der Kreis der vermeintlichen KI-Gewinner wird immer größer – und in einem Rennen können nicht alle gewinnen. Wer den Gewinner um jeden Preis sucht, geht eine Wette ein, kein Investment. Auf dieses Spiel lassen wir uns nicht ein.

Emerging Markets – das Prinzip in der Praxis #

Ende 2024 haben wir Emerging Markets in den Portfolios übergewichtet, da damals die Bewertung so attraktiv war, wie kaum ein anderes Mal in den letzten 20 Jahren. 2025 war die Bewertung nur noch neutral. Und heute sind Emerging Markets so teuer wie in weniger als 1% der Fälle dieses Zeitraums – getrieben vor allem von den beiden Schwergewichten Taiwan und Südkorea, deren Kurse stark gestiegen sind, ohne dass die Gewinne entsprechend mitgewachsen wären.

Die folgende Grafik zeigt die CAPE-Rendite (CAPE-Yield) von Südkorea und Taiwan. Die zugrunde liegende CAPE-Kennzahl setzt den heutigen Kurs ins Verhältnis zu den durchschnittlichen Unternehmensgewinnen der letzten zehn Jahre. Dieser Zehn-Jahres-Schnitt glättet kurzfristige Ausschläge und zeigt, wie teuer ein Markt gemessen an seiner langfristigen Ertragskraft ist. Die CAPE-Yield übersetzt das in einen Renditewert: Sie gibt einen Anhaltspunkt, welche Rendite ein Markt auf dem heutigen Preisniveau langfristig erwarten lässt. Je niedriger dieser Wert, desto teurer der Markt im Verhältnis zu seinen Gewinnen – und desto weniger Rendite ist zu erwarten. Beide Märkte sind innerhalb kurzer Zeit so teuer geworden wie nur selten in den letzten 20 Jahren.

Abbildung 01: CAPE-Yield: Südkorea & Taiwan

Quelle: froots360, eigene Berechnung (Daten u.a. von Barclays)

Was dahintersteckt, zeigt die nächste Darstellung. Hier sind jeweils Preis, Gewinne und Bewertung der Emerging Markets (exklusive China) aufgeschlüsselt. Die Gewinne sind in den letzten 12 Monaten bestenfalls stagniert. Trotzdem hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Daher ist die erwartete Rendite (in grau – CAPE-Yield) deutlich gesunken – da man mehr für die ähnlich hohen Cashflows zahlt.

Abbildung 02: Die Entwicklung Emerging Markets (exkl. China)

Quelle: froots360, eigene Berechnung (Daten u.a. von Barclays)

Warum nehmen wir China heraus? China hat in den letzten fünf Jahren zweimal die Gesamtbewertung der Emerging Markets stark verzerrt. Um ein sauberes Bild zu bekommen, analysieren wir beide Blöcke getrennt. Der aktuelle Bewertungsanstieg ist nicht China-getrieben – er geht fast ausschließlich auf Südkorea und Taiwan zurück.

Wir haben damit nicht unsere Meinung geändert – der Preis hat sich geändert. Genau das ist der Unterschied zwischen systematische und emotionalen Investor:innen. Als datengetriebene Manager:innen erkennen wir, wenn aus einem attraktiven Investment ein unattraktives wird – und ebenso, wenn ein unattraktives zum richtigen Preis wieder attraktiv wird. Das Asset bleibt dasselbe, der Preis entscheidet.

Eine Welle neuer Emissionen #

Immer mehr Unternehmen nehmen Kapital auf – sei es über Börsengänge, wie sie etwa für SpaceX, OpenAI oder Anthropic diskutiert werden, oder über Kapitalerhöhungen etablierter Konzerne wie Alphabet (Google).

Dabei muss man sich eine einfache Dynamik bewusst machen: Emittenten und Investor:innen haben gegenläufige Interessen. Ein Unternehmen, das Aktien ausgibt, möchte möglichst viel Kapital einsammeln – also möglichst teuer verkaufen; wer kauft, möchte möglichst günstig einsteigen. Sind die Bewertungen hoch, liegt der Vorteil beim Emittenten. Dass gerade jetzt so viele Unternehmen Kapital aufnehmen, ist ein Symptom der hohen Bewertung.

Aktien – Risiko muss bezahlt werden #

Wir lieben reale Assets. Allen voran Unternehmen, die echte Cashflows generieren. Langfristig in großartige Aktien zu investieren, bleibt unsere Überzeugung. Aber Liebe hat ihren Preis. Die entscheidende Frage ist nie, ob man in Aktien investiert – sondern zu welchem Preis.

Die zusätzliche Rendite, die man heute für das zusätzlich eingegangene Risiko erhält, ist auf einem Niveau, das uns klar sagt: Das Risiko wird nicht mehr ausreichend kompensiert. Sichtbar wird das in der Aktienrisikoprämie (dem Renditeaufschlag von Aktien gegenüber Anleihen), die über die letzten Jahre kontinuierlich gesunken ist. Und wenn Risiko nicht mehr bezahlt wird, nimmt man es heraus. Ohne Emotionen, ohne Bedauern.

Eines der wichtigsten Werkzeuge in unserem Investmentprozess ist genau diese Gegenüberstellung: Wie viel erwartete Rendite bieten Aktien im Vergleich zu einer (in Relation) sicheren Alternative – etwa einer zehnjährigen deutschen Staatsanleihe, die aktuell rund 3 Prozent pro Jahr bringt? Wenn der Aufschlag, den Aktien darüber bieten, zu gering ist, gibt es schlicht keinen rationalen Grund, das zusätzliche Risiko einzugehen.

Die folgende Grafik zeigt, wie sich dieses Verhältnis über die letzten 20 Jahre entwickelt hat. Die graue Fläche zeigt die "Mehr-Rendite", die Aktieninvestor:innen im Vergleich zu 10-jährigen Euro-Staatsanleihen erwarten konnten. Sie wird seit Jahren kleiner – und genau das ist der Grund, warum wir das Aktiengewicht in unseren Portfolios weiter reduzieren.

Abbildung 03: Wie viel Renditeaufschlag bieten Aktien gegenüber Anleihen?

Quelle: froots360, eigene Berechnung (Daten u.a. von Barclays)

Zusammenfassung #

Wir sehen die Börse nicht in Schwarz und Weiß. Den Markt perfekt zu timen gelingt niemandem – und das ist auch nicht unser Ziel. Unser Ziel ist es, Märkte und Zyklen zu navigieren: in schwierigen Phasen Risiko herauszunehmen und dennoch teilzuhaben, wenn die Kurse weiter steigen.

Genau das haben wir in den letzten Jahren getan. Mit steigenden Bewertungen haben wir das Risiko Schritt für Schritt reduziert – und dennoch stark von den weiteren Anstiegen profitiert, nur eben mit weniger Risiko. Dabei sind wir nicht an starre Grenzen gebunden, sondern flexibel: Wir passen unser Risiko der jeweiligen Bewertung an – Schritt für Schritt und in die Richtung, die sie vorgibt. Steigen die Preise weiter, können wir das Gewicht weiter zurücknehmen. So navigieren wir langfristig durch die Zyklen, statt in einem einzigen Schritt aus dem Risiko zu gehen. Das tun wir auch jetzt.

Unsere Anpassung ist daher bewertungsgetrieben, kein Market Timing. Sobald die Bewertungen wieder gesünder werden – durch steigende Gewinne oder fallende Preise –, verändern wir die Position erneut.

Portfolioanpassungen & Vorgehensweise #

Die beschriebenen Beobachtungen haben im Rahmen unseres kontinuierlichen Investmentprozesses zu folgenden Anpassungen geführt. Diese wurden im Vorfeld von unserem Investment-Komitee eingehend analysiert und geprüft sowie einer strengen Kosten-Nutzen-Bewertung unterzogen.

Welche Portfolios sind betroffen? #

Abhängig von den gewählten Services, dem Risikoprofil und der Laufzeit deines Ziels können unterschiedliche Portfolios von dir betroffen sein. Mit diesem Update werden konkret keine neuen Wertpapiere zu den Portfolios ergänzt, sondern die Gewichtung bestehender Wertpapiere angepasst.

Mittel- und langfristige Veranlagungen (Investment-Service & Vorsorge): weitere Reduktion des Aktienanteils

Wir nehmen das Aktiengewicht über unsere mittel- und langfristigen Portfolios ein weiteres Stück zurück, um der veränderten Marktsituation risikoadjustiert gerecht zu werden.

Die Liquidität, die wir durch die Umschichtung in stabile Anleihen gewinnen, ist kein Selbstzweck, sondern eine strategische Reserve. Sie verschafft uns Spielraum für genau zwei Situationen, in denen wir das Aktiengewicht wieder erhöhen würden:

  • Szenario 1 — Gesündere Bewertungen: Die Unternehmensgewinne ziehen wieder an, während die Kurse stagnieren. Die Bewertungen werden nachhaltiger, ohne dass es zu einem Kursrutsch kommen muss.
  • Szenario 2 — Preis-Korrektur: Die Preise geben nach, und die erwartete Rendite pro Risikoeinheit verschiebt sich klar auf unsere Seite. Dann nutzen wir die Reserve, um zu tieferen Preisen einzusteigen.

Langfristiges 100 %-Aktienportfolio (Global Equities & gewinnorientierte Vorsorge): Anpassung innerhalb der Aktienquote

Im reinen Aktienportfolio gehen wir nicht in Cash, sondern schichten innerhalb der Aktienquote in günstiger bewertete Bereiche um. Konkret reduzieren wir das Gewicht der Emerging Markets und stärken unsere Position im Equal-Weight-S&P-500: Dessen Bewertung ist im Verhältnis attraktiver als jene der Emerging Markets – und auch attraktiver als die seines marktkapitalisierten "Bruders", in dem eine Handvoll Unternehmen ein enormes Gewicht ausmacht. Ebenso gewichten wir Japan und Europa stärker, wo die Bewertungsexpansion noch nicht so weit fortgeschritten ist. Dieses Portfolio bleibt für langfristige, gewinnorientierte Anleger:innen gedacht, die bereit sind, höhere zwischenzeitliche Schwankungen auszuhalten.

Kurzfristige Veranlagungen (Liquidity+): keine Veränderungen

Diese Anpassungen betreffen nicht unser Service „Liquidity+“, das Geldmarktportfolio, das bereits zu 100 % in kurzfristige Anleihen investiert ist.

Welche Auswirkungen haben diese Anpassungen für dich? #

Für die betroffenen Portfolios wird – abhängig von deinem Risikoprofil und Anlagehorizont – eine angepasste Allokation festgelegt. Notwendige Veränderungen werden durch Umschichtungen (Verkäufe und anschließende Käufe) vorgenommen, um das Portfolio an das Zielportfolio anzupassen. Bei unseren flexiblen Veranlagungen, sieht du diese Transaktionen im Kundenportal. Bei unseren Vorsorgelösungen passt sich die Allokation nach der Umstellung automatisch an. Auch zukünftige Einzahlungen werden – wie gewohnt – verwendet, um deine Allokation kontinuierlich zu optimieren. Alle Anpassungen werden stets durch eine systematische Kosten-/Nutzen-Analyse überprüft.

Warum gehen wir nicht komplett aus dem Risiko? #

Märkte lassen sich kurzfristig nicht vorhersagen und keine Bewertungsgrenze wirkt wie ein automatischer Schalter. Hohe Bewertungen können historisch sehr lange hoch bleiben – in den USA etwa seit Jahren. Wer deshalb abrupt alles verkauft, handelt nicht risikoarm, sondern setzt sich einem anderen Risiko aus: dem Risiko, die entscheidenden Rückkehrpunkte zu verpassen. Deshalb reduzieren wir behutsam – nicht abrupt.

Abschließende Anmerkungen #

Wir können nicht bestimmen, wohin der Markt morgen läuft – aber sehr wohl, mit welcher Risikoposition wir durch dieses Umfeld gehen.

Darum reduzieren wir behutsam statt abrupt und bewertungsgetrieben statt narrativ-getrieben.

Wir bleiben dennoch vorsichtig optimistisch.

Liebe Grüße

David Mayer-Heinisch, CEO, Asset Management by froots GmbH

David Mayer-Heinisch

Gründer & Geschäftsführer

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Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Marketingmitteilung. Die hier genannten Informationen sind daher nicht als Anlageempfehlung und/oder Anlageberatung zu verstehen und können eine Anlageberatung nicht ersetzen. Die hier enthaltenen Daten, Analysen und Schlussfolgerungen sind genereller Natur und ausschließlich als unverbindliche Informationen zu betrachten. Sie sind nicht auf die individuellen Bedürfnisse, Kenntnisse und Risikobereitschaft des Anlegers zugeschnitten und werden ausschließlich an die Öffentlichkeit abgegeben. Wir weisen zudem darauf hin, dass die aufgeführten und/oder für die Analysen und Prognosen verwendeten Vergangenheitswerte keinen zuverlässigen Indikator für künftige Ergebnisse darstellen. Kapitalanlagen bergen Risiken wie Kapitalverlust-, Kurs-, Währungs-, Liquiditäts-, und Bonitätsrisiken. Weitere Risikohinweise finden Sie hier: https://www.froots.io/risikohinweise/