Investieren nicht künstlicher Intelligenz überlassen

Finanzwissen
06.09.2023
4 Min

HAL 9000, die künstliche Intelligenz im Science Fiction Klassiker “2001: Odyssee im Weltraum”, war vielleicht die ausdrucksstärkste und emotionalste Figur des Films und hinterließ einen bleibenden Eindruck in der kollektiven Vorstellung vieler Cinephiler und Technologiefans.

In 2001: Odyssee im Weltraum wird HAL zunächst als zuverlässiges Mitglied der Besatzung angesehen, das die menschlichen Besatzungsmitglieder auf ihrer Weltraumfahrt unterstützt.

Im Laufe der Zeit beginnt HAL jedoch ganz langsam „zu versagen“ und gefährlich für die Besatzung zu werden. Um schwerwiegendere Fehlfunktionen zu verhindern, versuchen die Protagonisten die künstliche Intelligenz abzuschalten. Mit verehrenden Folgen.

Regisseur Stanley Kubrick wollte 1968 die Menschen dazu anregen, sich vorzustellen, wie es wäre, unseren Planeten mit – vermeintlich – intelligenten Maschinen zu teilen.


Space Odyssey
In die Filmgeschichte eingegangen: “I’m afraid I can’t do that, Dave”.

ChatGPT als Nachfahre von HAL 9000 #

Heute hat künstliche Intelligenz Anleihen aus der Figur des HAL bezogen, aber bei weitem noch nicht die Entwicklung erreicht, selbstständig Entscheidungen zu treffen.

Dennoch sind Tools, wie aktuell ChatGPT, ein smarter chatbot, der kürzlich von OpenAI, einem US Forschungslabor für künstliche Intelligenz, veröffentlicht wurde, in aller Munde.

Und das aus vielerlei Gründen. Das Tool grast sämtliche Daten ab und gibt recht individuell wirkende und detaillierte Antworten auf komplexe Fragen.

Wissenschaftlicher, politischer, aber auch wirtschaftlicher Natur.

Mittlerweile verwenden es bereits 100 Millionen Menschen weltweit, Tendenz stark steigend!

Die Implikationen und Probleme sind mannigfaltig: von Lehrern, die mit ChatGPT verfassten Hausaufgaben erhalten bis zu wissenschaftlichen Arbeiten, die damit verfasst werden.

Da stellt sich für viele gleich die Frage: warum verwende ich ChatGPT oder sogar noch “smartere” Investmenttools nicht gleich um Tipps zum Investieren zu erhalten? 

Mangelnde Transparenz und unbekanntes Innenleben #

Künstliche Intelligenz (KI) ist in den letzten Jahren als Instrument für Anlageentscheidungen immer beliebter geworden, da es große Datenmengen analysieren und Muster und Trends erkennen kann.

Es gibt jedoch mehrere Gründe, warum es für viele Anleger nicht die beste Wahl ist, sich ausschließlich auf KI zu verlassen, um Anlageentscheidungen zu treffen.

Eines der Hauptprobleme bei der Verwendung von Künstlicher Intelligenz für Anlageentscheidungen ist die mangelnde Transparenz darüber, wie die Algorithmen ihre Empfehlungen aussprechen.

Das wiederum heißt, dass es für Anleger sehr schwierig ist, bestimmte Investitionen zu verstehen oder die damit verbundenen potenziellen Risiken persönlich zu bewerten.

In vielen Fällen sind die Algorithmen großer Unternehmen urheberrechtlich geschützt und ihr Innenleben wird der Öffentlichkeit gar nicht offengelegt.

Wir können die Investment-Empfehlungen kaum überprüfen und damit fundierte Entscheidungen treffen. 

Begrenzte historische Daten für die KI #

KI-Algorithmen stützen sich auf historische Daten, um Vorhersagen über zukünftige Marktbedingungen zu treffen. Soweit so gut!

Der Aktienmarkt unterliegt jedoch unvorhersehbaren Ereignissen wie Naturkatastrophen, Wirtschaftskrisen und politischen Umwälzungen, die das perfekte Verarbeiten von Daten „stören“.

Dies schränkt Algorithmen erheblich dabei ein, künftige Marktbedingungen genau vorherzusagen und Anlageentscheidungen zu treffen, die im besten Interesse des Anlegers sind.

Ein weiteres Problem sind Verzerrungen in den Daten: Die Daten mit denen diese Algorithmen trainiert wurden, müssen nicht zwangsläufig repräsentativ für den Markt als Ganzes sein.

Wenn die Daten beispielsweise nur Informationen über erfolgreiche Investitionen enthalten, ist der Algorithmus möglicherweise nicht in der Lage, Marktschwankungen zu erkennen.

Oder noch schlimmer: darauf zu gleich „kopflos“ zu reagieren.

Dies kann zu Anlageentscheidungen führen, die den aktuellen Marktbedingungen nicht gerecht werden.

Wie viel Vertrauen in Algorithmen sollte man haben? #

Da kognitive Verzerrungen dazu führen, dass Anleger irrationale Anlageentscheidungen treffen, ist es nicht überraschend, dass ein Anlagealgorithmus den Durchschnittsinvestor übertreffen kann.

Sich ausschließlich auf Algorithmen oder gar Tools wie ChatGTP zu verlassen, um Anlageentscheidungen zu treffen, kann aber zu einem falschen Gefühl der Sicherheit in die Technologie führen.

Stell dir vor du verlässt dich zu 100% auf Empfehlungen einer KI, ohne die mit den Investitionen verbundenen Risiken vollständig zu verstehen. Das kann zu schlechten Anlageentscheidungen führen, die erhebliche finanzielle Verluste nach sich ziehen.

Einer der Hauptvorteile „menschlicher“ Finanzexperten und Vermögensberater ist ihre Erfahrung und ihr Urteilsvermögen.

Das bedeutet auch, dass sie ein gutes Verständnis für Marktdynamik, geopolitische Ereignisse und andere Faktoren haben, die Anlageentscheidungen beeinflussen können.

Die meisten Algorithmen hingegen sind auf die Daten beschränkt, mit denen sie trainiert wurden, und können Nuancen und Komplexitäten der realen Welt nicht gut berücksichtigen.

Bei ChatGPT sind die Daten mit denen es gefüttert wurde, zudem aus 2021. Das heißt, dass sich neue Entwicklungen und Ereignisse noch gar nicht in den Antworten darstellen lassen.

Für das Tool hat der Krieg in der Ukraine z.B. noch gar nicht begonnen.

Beispiel für schiefgelaufene Investmententscheidungen #

Zu den Beispielen für schiefgelaufene KI-gesteuerte Anlageentscheidungen gehört z.B. ein Fall aus 2017, wo ein internationaler Großanleger mit einem KI Fonds an einem einzigen Tag über 20 Millionen Dollar verlor.

Der Rechtsrahmen für KI-gesteuerte Anlageentscheidungen befindet sich noch in der Entwicklung. Das heißt man kann sich als Anleger nicht viel Transparenz darüber erwarten, wie die Algorithmen ihre Empfehlungen abgeben.

Dies kann es den Anlegern erschweren, ihre Interessen zu schützen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Fazit #

Zusammenfassend können wir sagen, dass KI-Algorithmen Anlegern zwar wertvolle Einblicke und Empfehlungen geben können, dass man sich aber nicht ausschließlich auf sie verlassen sollte, wenn es darum geht seine Ersparnisse anzulegen.

Für Anleger ist es wichtig, die Grenzen und potenziellen Risiken von Künstlicher Intelligenz zu verstehen und sie mit menschlichem Urteilsvermögen und Marktexpertise zu kombinieren, so wie erfahrene Vermögensverwalter das tun.

Idealerweise nutzt man aber beide Welten: die Technik, dort wo es darum geht unsere eigenen ganz persönlichen kognitiven Verzerrungen auszumerzen und den Menschen dort, wo es darum geht auf individuelle Ziele und die Zukunft beim Investieren zu achten.

Dann braucht man auch keine Angst haben, das ein Investment HAL 9000 einem allzu große Probleme im Geldleben macht!

Dirk van Wassenaer

Gründer & Marketing

Wichtige rechtliche Hinweise:

Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Marketingmitteilung. Die hier genannten Informationen sind daher nicht als Anlageempfehlung und/oder Anlageberatung zu verstehen und können eine Anlageberatung nicht ersetzen. Die hier enthaltenen Daten, Analysen und Schlussfolgerungen sind genereller Natur und ausschließlich als unverbindliche Informationen zu betrachten. Sie sind nicht auf die individuellen Bedürfnisse, Kenntnisse und Risikobereitschaft des Anlegers zugeschnitten und werden ausschließlich an die Öffentlichkeit abgegeben. Wir weisen zudem darauf hin, dass die aufgeführten und/oder für die Analysen und Prognosen verwendeten Vergangenheitswerte keinen zuverlässigen Indikator für künftige Ergebnisse darstellen. Kapitalanlagen bergen Risiken wie Kapitalverlust-, Kurs-, Währungs-, Liquiditäts-, und Bonitätsrisiken. Weitere Risikohinweise finden Sie hier: https://www.froots.io/risikohinweise/