Wieso froots ein Fußball-Format umgesetzt hat

Marktnews
20.02.2026
5 Minuten

Jeden Tag reden wir bei froots mit vielen Menschen über ihre Beziehung zum Thema Geld. In den letzten Jahren sind auch immer mehr Profisportler:innen dazu gekommen. Vor allem Fußballer:innen haben einen vergleichsweise besonderen Karriereverlauf, was uns als Fußballfans veranlasst hat, uns der Sache näher zu widmen.

Was wir in diesem Prozess realisiert haben, hat uns dazu veranlasst, eine Gesprächsreihe zum Thema 'Finanzielle Verantwortung im Fußball' zu starten. Was daraus entstanden ist, ist mehr als ein klassisches Finanzformat mit Fußballbezug. Es ist der vielleicht erste ernsthafte Versuch im deutschsprachigen Raum, hinter die Fassade der größten Sportart der Welt zu blicken – nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit dem Interesse von jemandem, der wirklich verstehen will, wie es dort drinnen wirklich aussieht. Und was dabei zum Vorschein kommt, ist unbequem genug, um es nicht einfach wieder zu vergessen.

Das System lässt sie allein

Das vielleicht deutlichste Ergebnis unserer Gesprächsreihe SPIELGELD, die wir gemeinsam mit LAOLA1 produziert haben und die von Maximilian Ratzenböck moderiert wurde, ist kein einzelner Satz und keine einzelne Geschichte. Es ist ein Muster, das sich durch alle vier Folgen zieht wie ein roter Faden, den niemand durchschneiden will.

Maximilian Wöber kommt mit 18 zu Ajax Amsterdam, unterschreibt einen Vertrag, dessen Summe er kaum fassen kann, und steht dabei im Grunde allein da. Florian Klein tritt mit 17 beim LASK ein, bekommt 300 Euro Signing Fee und hat schlicht keine Ahnung, was mit Geld gemacht werden soll – geschweige denn, dass ihn jemand darüber aufklärt. Jennifer Klein verdient zu Beginn ihrer Karriere 200 Euro im Monat und finanziert ihr Leben über Jahre hinweg mit Unterstützung ihrer Eltern, während sie gleichzeitig als Profi auf Champions-League-Niveau spielt. Und Michael Wagner – der Sportdirektor, der Unternehmer, der Mensch mit dem breitesten Überblick in dieser Runde – gibt zu, dass auch er diese Fragen lange vor sich hergeschoben hat, weil es einfach nie jemand wirklich eingefordert hat.

Vereine investieren Millionen in Leistungszentren, in Physios, in Ernährungsberater, in Mentaltrainer. Was uns im Vorfeld besonders überrascht hat, war, dass mit Maximilian Wöber ein aktiver ÖFB-Nationalspieler sich in seiner Masterarbeit dem Thema bereits genähert hat. Er hat empirisch belegt, dass der Einfluss der Vereine auf finanzielle Entscheidungen ihrer Spieler:innen auf einer Skala von 0–10 unter 0,5(!) liegt. Hier von einem "Versehen" zu sprechen, wird der Tragweite dieses blinden Flecks nicht gerecht. Ein "Systemversagen" trifft es wohl eher.

Maximilian Wöber
ÖFB-Nationalspieler Maximilian Wöber

Die Familie trägt, was das System nicht trägt

Wer in all diesen Gesprächen immer wieder auftaucht, ist nicht der Berater oder der Verein – es ist die Familie. Bei Wöber waren es die Eltern, die früh sagten: kein Lamborghini, kein Unsinn, erst mal liegen lassen. Bei Wagner war es das bodenständige Elternhaus in Wien, das ihm beibrachte, dass ein Auto ein Auto ist und kein Beweis für irgendetwas. Bei Florian Klein war es die Mutter, die bei der Bank arbeitete und ihm das Sparen beibrachte, bevor er überhaupt wusste, was ein ETF ist. Und bei Jennifer Klein war es ebenfalls das familiäre Umfeld, das früh sagte: Du kannst nicht nur auf den Fußball setzen. Das wird nicht reichen.

Das klingt tröstlich, ist aber eigentlich alarmierend. Denn was ist mit all jenen, die dieses Netz nicht haben? Wöber spricht es direkt an: Jeder meint es gut, aber der Rat des Vaters oder der Großmutter spiegelt eine Welt wider, die es so nicht mehr gibt. Bausparer waren einmal eine vernünftige Antwort. Heute ist das Finanzuniversum so komplex und so zugänglich zugleich, dass gutgemeinte Ratschläge aus dem Familienkreis genauso gefährlich sein können wie gar keine Ratschläge. Die Familie fängt auf, aber sie kann nicht ersetzen, was eigentlich institutionell passieren müsste.

Das Luxusproblem, das keines ist

Ein Missverständnis zieht sich durch die öffentliche Wahrnehmung des Profifußballs wie kaum ein anderes: dass es sich beim Thema Geld und Fußballer um ein Luxusproblem handelt. Dass jemand, der mehr verdient als seine Eltern in einem ganzen Jahr, kein Recht hat, sich Sorgen zu machen.

Wöber räumt damit in Folge 1 direkt auf. In der österreichischen Bundesliga ist man kein Millionär. Man verdient gut, aber nicht so gut, dass man mit 35 die Füße hochlegen kann. Selbst Andy Ulmer, der 15 Jahre bei Red Bull Salzburg, also auf höchstem nationalen Niveau gespielt hat, hat nach dem Ende seiner aktiven Karriere sofort die Trainerausbildung begonnen. Das Bild des sorgenfreien Ex-Profis, der irgendwo in der Sonne sitzt, ist für die große Mehrheit der Spieler schlicht Fiktion.

Jennifer Klein
Jennifer Klein, Kapitänin bei SKN St. Pölten

Und der Frauenfußball macht diese Fiktion in Folge 3 endgültig zunichte. Jennifer Klein spielt Champions League. Jennifer Klein verdient gerade genug, um davon zu leben, aber nicht genug, um Rücklagen zu bilden. Sie studiert nebenher, um später Volksschullehrerin zu werden, weil sie weiß, dass sie nach dem Karriereende sofort in die Arbeitswelt einsteigen muss. Es gibt keine Übergangszeit und keinen Polster. Und es gibt Spielerinnen in der österreichischen Liga, die weniger verdienen als eine Teilzeitkraft im Einzelhandel – während ihre Vereine an sie die Erwartung stellen, Vollprofis zu sein.

Berater: Fluch und Segen

Ein weiteres Thema, das sich durch alle vier Folgen zieht, ist das Verhältnis zu Beratern – und die Ambivalenz, die damit einhergeht. Einerseits brauchen Spieler:innen Menschen, die sich auskennen. Andererseits ist das Vertrauen in Berater strukturell schwer herzustellen, weil die Anreize oft nicht übereinstimmen.

Wöber bringt es auf den Punkt: Viele Berater arbeiten für ihre Provision, nicht für ihren Klienten. Klein hat das am eigenen Leib erfahren – in Form eines Schneeballsystems, das in der Kabine als lukrative Gelegenheit verkauft wurde und in Wirklichkeit schlicht Abzocke war. Er verlor Geld. Er war jung genug, dass der Schaden überschaubar blieb. Andere hatten weniger Glück oder weniger Spielraum.

Wagner formuliert es als Sportdirektor systemisch: Die Verantwortung liegt auch bei den Spielerberatern, die oft die engste Beziehung zu den Spielern haben und diese Beziehung zu selten für Gespräche über Vorsorge nutzen. Das ist kein böser Wille. Es ist eine Frage von Anreizen, Prioritäten und dem allgemeinen Schweigen, das das Thema Geld im Profifußball umgibt.

Michael Wagner
Austria-Sportdirektor und Ex-Profi Michael Wagner

Das Schweigen in der Kabine

Wöber beschreibt es so: In der Kabine redet man nicht wirklich über Geld. Man sieht die Uhren, man sieht die Autos, man nimmt den Status wahr – aber was jemand tatsächlich investiert, wohin das Geld fließt, ob am Ende des Monats noch etwas übrig ist, das bleibt unausgesprochen. Es gibt keinen Raum dafür, weil es keinen sicheren Raum dafür gibt.

Klein ergänzt das mit einer anderen Beobachtung: Mannschaften bestehen aus Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen. Jemand, der aufgewachsen ist, wo es jeden Monat knapp wurde, und der plötzlich mehr verdient, als seine ganze Familie je zusammen hatte – der hat keine Referenzpunkte für den Umgang mit Wohlstand. Nicht weil er dumm ist. Sondern weil niemand diese Referenzpunkte geschaffen hat.

Frauen tragen eine doppelte Last

Die Folge mit Jennifer Klein bringt eine Dimension in die Reihe, die bis dahin nur gestreift wurde: dass das gesamte Problem im Frauenfußball noch einmal deutlich verschärft ist. Nicht nur finanziell, sondern strukturell auf allen Ebenen.

In Deutschland sind Spielerinnen der höchsten Liga nahezu ausnahmslos Vollprofis. In Österreich ist das die Ausnahme. Viele Spielerinnen jobben oder studieren parallel zur Profikarriere – nicht aus persönlichem Ehrgeiz, sondern weil es schlicht nicht anders geht. Die Gewerkschaftsarbeit, in die Klein sich einbringt, kämpft um Dinge, die im Männerfußball längst selbstverständlich sind: standardisierte Verträge, verlässliche Gehaltsauszahlungen, ein Mindestlohn. Das sind keine fortgeschrittenen Forderungen. Das sind Grundlagen.

Was Jennifer Klein in diesem Gespräch zeigt, ist etwas, das man nicht inszenieren kann: Sie ist sich ihres eigenen Wertes bewusst, kämpft für strukturelle Verbesserungen, baut parallel eine akademische Karriere auf – und tut das alles ohne Bitterkeit. Das ist bemerkenswert. Und es sagt viel darüber aus, wie viel Energie Spielerinnen aufwenden müssen, nur um das zu bekommen, was männliche Kollegen als gegeben betrachten.

Was wirklich schützt

Wenn man alle vier Gespräche nebeneinander legt, kristallisiert sich eine These heraus, die keiner der Gäste explizit formuliert, die aber implizit durch alle Folgen klingt: Was Spieler:innen langfristig schützt, ist nicht primär ein guter Berater – es ist das Wissen, das sie in die Lage versetzt, einen guten Berater von einem schlechten zu unterscheiden.

Wöber hat eine Masterarbeit geschrieben, um dieses Wissen zu erlangen. Klein hat Bücher gelesen, Podcasts gehört, Zeitschriften am Flughafen durchgeblättert. Wagner hat den Einstieg in die Privatwirtschaft bewusst früh vorbereitet und damit eine innere Unabhängigkeit aufgebaut, die ihm heute sichtbar anzumerken ist. Jennifer Klein studiert auf Lehramt, nicht weil sie Lehrerin werden wollte, sondern weil Bildung der einzige Puffer ist, den sie sich leisten kann.

Florian Klein
TV-Experte und Ex-Profi Florian Klein

Das Credo, das Wöber am Ende seiner Folge formuliert – mach nur Dinge, die du selbst verstehst – ist vielleicht der wichtigste Satz der gesamten Reihe. Es ist kein Investment-Ratschlag. Es ist eine Haltung. Und es ist eine Haltung, die man nur einnehmen kann, wenn man sich die Mühe gemacht hat, überhaupt erst zu verstehen.

So geht's weiter

SPIELGELD hat keinen einzigen Schuldigen benannt. Keine Vereine an den Pranger gestellt, keine Berater verurteilt, keine Spieler:innen bloßgestellt. Das Format hat stattdessen etwas Selteneres getan: Es hat Menschen erzählen lassen. Ohne Drehbuch, ohne Schönfärberei, mit der gelegentlichen Unbeholfenheit, die entsteht, wenn jemand über Dinge spricht, über die er selten spricht.

Was dabei sichtbar wird, ist ein System mit strukturellen Lücken, das Talent fördert und Persönlichkeit formt – aber das Thema Zukunft konsequent an andere delegiert: an die Familie, ans Glück, an den Charakter des Einzelnen. Das funktioniert für manche. Für viele nicht.

Ob es Aufgabe eines Formats wie SPIELGELD ist, das zu ändern, sei dahingestellt. Aber wir bei froots hoffen, es sichtbar gemacht zu haben. Neben den vielen Fußballprofis, den wir bereits helfen, sinnvoll für die Zukunft vorzusorgen, sind wir besonders stolz, gemeinsam mit Austria Wien eine längerfristige Business-Partnerschaft geschlossen zu haben (mehr dazu hier).

Hier geht's zur gesamten Playlist.

Victor Gatterer Serrano

Business Development

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