Markteffizienz – eine Halbwahrheit?

Marktnews
14.04.2023

Was ist die Effizienzmarkthypothese

Lohnt es sich, Zeit, Mühen und Gebühren zu investieren, um zu versuchen, den Markt zu schlagen oder ist es nicht besser einfach passiv am Aktienmarkt zu partizipieren? Diese Frage beschäftigt viele Anleger:innen.

Auch in der Wissenschaft wird diese Angelegenheit schon seit Langem kontrovers diskutiert. Die Effizienzmarkthypothese, ein Eckpfeiler der modernen Finanztheorie, besagt, dass alle relevanten Informationen in den Kursen von Wertpapieren eingepreist sind.

1970 hat “Erfinder” Eugene Fama seine Theorie der effizienten Märkte vorgestellt, danach dominierte sie jahrzehntelang die Finanzwelt. Dafür erhielt Fama 2013 sogar den Nobelpreis.

Eine Folge von Famas Theorie ist, dass es am Finanzmarkt weder zu Unter- noch zu Überbewertungen kommt. Bei der Überprüfung der Theorie effizienter Märkte zeigen sich Anzeichen dafür und dagegen.

Wir betrachten die Bedeutung der Effizienzmarkthypothese (Effizienzmarkttheorie) für Anleger:innen aus praktischer Sicht:

Was spricht für die Effizienzmarkttheorie?

Für die Effizienzmarkttheorie spricht, dass es viele aktiv gemanagte Fonds es nicht schaffen, den Markt zu schlagen. Entsprechend sind im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr passive Indexfonds entstanden. Hier versuchen Anleger gar nicht den Markt zu schlagen. Stattdessen wird hier einfach ein Index nachgebildet.

Andererseits gibt es jedoch durchaus Investor:innen, die es geschafft haben, den Markt zu schlagen, und zwar nicht nur über eine kurze Zeit, sondern über viele Jahre oder Jahrzehnte. Beispiele sind Peter Lynch oder der berühmteste Value Investor, Warren Buffett.

Nach der Effizienzmarkthypothese wäre dies nur durch Glück möglich oder durch das Eingehen eines höheren Risikos: Überlegene Fähigkeiten kommen als Erklärung für die höhere Rendite nicht infrage.

Sind die Märkte überhaupt effizient?

Die Frage, ob Finanzmärkte effizient sind, ist nicht einfach zu beantworten und es gibt kein klares JA oder NEIN. Vielmehr handelt es sich um eine Halbwahrheit. Auf der einen Seite spricht tatsächlich vieles dafür, dass es von Zeit zu Zeit zu Unter- oder Überbewertungen kommt.

Ein Beispiel ist der Höhenflug der Internetaktien um die Jahrtausendwende. Entsprechend hat sich der Begriff Dot-Com Blase etabliert. In Deutschland beispielsweise gewann der Technologieindex Nemax AllShare von 1997 bis 2000 mehr als 500%, um dann bis 2003 mehr als 80% zu verlieren.

Solch starke Schwankungen sprechen dagegen, dass Finanzmärkte immer komplett effizient sind. Auf der anderen Seite ist es aufgrund des großen Wettbewerbs am Finanzmarkt schwer den Index zu schlagen.

Viele Investor:innen, und zwar sowohl Kleinanleger:innen als auch professionelle Anleger:innen, scheitern beim Versuch, dies zu erreichen. Dies wiederum spricht dafür, dass Märkte doch recht effizient sind.

Welche Nischen sind weniger effizient?

Auch wenn wir die Frage, ob die Effizienzmarkttheorie zutrifft, nicht mit einem klaren JA oder NEIN beantworten können, so können wir uns doch überlegen, welche Märkte besonders effizient sind.

Effizienz ist dort zu erwarten, wo viele Anleger:innen zugegen sind. Dies gilt besonders, wenn sie intelligent und mit guter Technik ausgestattet sind sowie einen guten Zugang zu Informationen haben.

Nischen, die dagegen weniger effizient sind, haben die folgenden Eigenschaften.

  • Aktien in weniger effizienten Märkten sind weniger prominent bzw. von Analysten weniger gut gecovert. So können Informationen nicht unmittelbar und komplett im Marktpreis enthalten sein. Folglich kann es hier eher zu Über- und Unterbewertungen kommen.
  • Oftmals sind Aktien in Emerging Markets (Schwellenländern) weniger effizient als in entwickelten Ländern wie den USA, Deutschland oder Österreich. Das liegt daran, dass sich Anleger:innen für exotische Länder weniger interessieren oder deren politischen und rechtlichen Verhältnissen sowie deren Geschäftsgepflogenheit weniger trauen. Entsprechend kann es in Emerging Markets eher zu Fehlbewertungen kommen.
  • Anlageklassen oder Marktnischen, die tabuisiert werden, sind oft weniger effizient. Das liegt daran, dass sich dort weniger Anleger:innen befinden, weil einige nichts damit zu tun haben wollen. Solche Bereiche können beispielsweise Länder oder Branchen sein, die eine Krise hinter sich haben. Hier seien Banken nach der Finanzkrise erwähnt oder südeuropäische Länder nach der Euro-Schuldenkrise. Solch kollektive Sichtweisen sind oftmals subjektiv und können sich im Zeitverlauf ändern.

Es ist jedoch zu beachten, dass ein ineffizienter Markt nicht zwangsläufig bedeutet, dass man diesen outperformt. Vielmehr bedeutet Ineffizienz nur, dass Fehlbewertungen bestehen, die zwar grundsätzlich ausgenutzt werden können, um Überrenditen zu erzielen.

Ob dies tatsächlich passiert, hängt jedoch ganz wesentlich davon ab, ob ein Anleger im Stande ist, diese Fehlbewertungen auszunutzen. Ebenso ist es möglich, dass man schlechter abschneidet als der Markt.

Schließlich muss es, wenn ein Anleger ein Schnäppchen findet, auch einen Counterpart geben, der entsprechend zu teuer verkauft. Ineffiziente Märkte bieten also die Möglichkeit, den Markt zu schlagen, es besteht dort jedoch auch das Risiko, schlechter abzuschneiden als der Index.

FAZIT

Während manche Akademiker und Marktteilnehmer von komplett effizienten Märkten ausgehen, glauben andere, dass Märkte oftmals irrational sind und Ineffizienten regelmäßig bestehen.

Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen. Die Effizienzmarkttheorie sollte als Halbwahrheit betrachtet werden. Von Zeit zu Zeit übertreiben Finanzmärkte, allerdings sollte man davor warnen, zu glauben, dass es einfach ist, Überrenditen zu erzielen.

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David Mayer-Heinisch

Gründer & Geschäftsführer

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