Was Vorsorge ohne KESt wirklich kostet

Finanzwissen
12.06.2026
3 Minuten

Fondsgebundene Lebensversicherungen (FLV) genießen in Österreich einen schlechten Ruf. Die meisten Österreicher:innen, die eine abschließen, kommen erst im Laufe der Jahre drauf, was ihr Vertrag sie wirklich kostet. Oft ziehen einige Jahre ins Land, bis man überhaupt den Break-even erreicht. Und ein verfrühter Ausstieg kommt in vielen Fällen nicht in Frage, weshalb man die Bindung trotz allen Übels in Kauf nimmt.

Genau deshalb haben wir dieses Vorsorge-Vehikel von Grund auf neu gedacht und Vorsorge ohne KESt konzipiert. Mit einer Kostenliste, die auf einen Bierdeckel passt. In diesem Artikel legen wir die gesamte Kostenstruktur offen.

Die Beispielrechnung #

Damit die Zahlen vergleichbar bleiben, rechnen wir den ganzen Artikel anhand einer Beispielperson durch. Männlich, 35 Jahre alt, 30 Jahre Laufzeit. Monatliche Einzahlung von 300 EUR. Das sind insgesamt 108.000 EUR, die in dieser Zeit eingezahlt werden. Wir gehen von einer durchschnittlichen Bruttorendite von 7 Prozent pro Jahr aus. Eine optimistische, aber historisch nachvollziehbare Annahme.

Die vier Kostenpositionen #

Bei Vorsorge ohne KESt fallen genau vier Kostenpositionen an. Drei laufen über die gesamte Laufzeit, eine ist einmalig.

Versicherungssteuer, 4 Prozent auf jede Einzahlung #

Diese Steuer geht nicht an froots oder an die Versicherung, sondern an den österreichischen Staat. Sie ist gesetzlich fixiert und fällt bei jeder fondsgebundenen Lebensversicherung an. Bei 108.000 EUR Gesamteinzahlung sind das 4.154 EUR über die 30 Jahre.

Laufende Kosten, 1 Prozent pro Jahr auf den Depotwert #

Die laufenden Kosten umfassen das aktive Portfolio-Management, die Versicherungs-Infrastruktur und die persönliche Begleitung. Sie wird monatlich auf den aktuellen Depotwert berechnet. Da das Portfolio über die Jahre wächst, wächst auch die Gebühr über die Laufzeit mit.

ETF-Produktkosten, rund 0,17 Prozent pro Jahr #

Die kostengünstigen ETFs und ETCs in unseren Portfolios haben eigene Produktkosten (TER). Diese sind in der Wertentwicklung der Fonds bereits eingepreist, sie kommen nicht zusätzlich auf deine Abrechnung.

Risikoprämie, altersabhängig und bis zu einem gewissen Alter minimal #

Damit Vorsorge ohne KESt überhaupt den Anforderungen einer fondsgebundenen Lebensversicherung entspricht, muss ein Versicherungsschutz im Todesfall enthalten sein. Bei unserer Beispielperson, einem 35-Jährigen mit 30 Jahren Laufzeit, beträgt die Risikoprämie 0,03 Prozent pro Jahr. Wer es genau wissen will, kann mit dem Risikoprämienrechner seine individuelle Prämie berechnen.

Was am Ende übrig bleibt #

Wir haben unsere Beispielperson durch die unabhängige Vergleichsplattform fynup modellieren lassen. Das Ergebnis: Bei einer durchschnittlichen klassischen FLV bleibt der Person nach allen Kosten und Steuern ein deutlich kleinerer Nettogewinn übrig, als die Marktrendite über 30 Jahre eigentlich hergeben würde. Die Kostenstruktur einer durchschnittlichen FLV ist so dicht, dass ein erheblicher Teil des Veranlagungsgewinns verloren geht.

Bei Vorsorge ohne KESt bleiben unter denselben Voraussetzungen rund 50.000 EUR* mehr Nettogewinn übrig als bei einer durchschnittlichen klassischen FLV. Diese Differenz entsteht ausschließlich aus der unterschiedlichen Kostenstruktur, nicht aus einer höheren Marktrendite.

Quelle der Modellrechnung: fynup.at

Was du für die 1 Prozent laufenden Kosten bei uns tatsächlich bekommst #

Die 1 Prozent laufenden Kosten sind mit Abstand die größte Kostenposition bei uns. Wir wollen darlegen, was sie konkret leistet.

Aktives Portfolio-Management mit antizyklischer Allokation #

Wir verteilen dein Kapital aktiv über Regionen, Sektoren und Anlageklassen. Wenn ein Markt überteuert wird, schichten wir Kapital in andere Märkte um. Wenn eine Region in eine Krise gerät und günstig bewertet ist, kaufen wir nach. Wir passen die Asset-Allocation deines Portfolios über die Jahre an deinen Anlagehorizont an. Mit 35 kannst du höhere Volatilität tragen als mit 60. Wir reduzieren das Risiko schrittweise, je näher du der Entnahmephase kommst. Daneben rebalancen wir laufend, ohne dass dafür KESt anfällt. Außerhalb des Versicherungsmantels würde jede Umschichtung Steuerzahlungen auslösen. Bei uns wirkt diese Steueroptimierung über die gesamte Laufzeit.

Was diese Disziplin in der Praxis leistet, wollen wir mit dem Krisenjahr 2022 beispielhaft veranschaulichen. Während der S&P 500 einen maximalen Drawdown von minus 26,74 Prozent erlebte, hatte unsere langfristige Strategie einen maximalen Drawdown von minus 15,34 Prozent. Unsere kurzfristige Strategie kam mit minus 5,89 Prozent durch. Das ist nicht garantiert für die Zukunft, aber es zeigt, was Allokations-Disziplin in einer realen Krise leisten kann. Unsere historische Performance ist hier transparent einsehbar.

Persönliche Begleitung über die gesamte Laufzeit #

Vorsorge über 30 Jahre ist keine Konstruktion, die unverändert läuft. Sie verändert sich mit deinem Leben. Heirat, Kinder, Jobwechsel, ein Erbe, ein Immobilienkauf, eine gesundheitliche Veränderung, all das verschiebt die richtige Strategie. Bei uns hast du Anspruch auf regelmäßige persönliche Gespräche mit unserem Team, online oder bei uns im Büro in Wien.

Diese Begleitung liefert auch einen Mehrwert in volatilen Zeiten. Wenn die Kurse rauf und runter gehen und Nervosität aufkommt, hilft ein Gespräch mit jemandem, der die langfristige Perspektive einordnen kann.

Was eine klassische FLV anders macht #

Damit klar wird, wie reduziert unsere Liste an Kosten ist, hier der Vergleich mit einer durchschnittlichen klassischen FLV. Sie kann bis zu elf(!) verschiedene Kostenarten tragen.

Abschlusskosten der Versicherung. Abschlusskosten des Vertriebs. Verwaltungskosten auf den Depotwert. Verwaltungskosten auf die Prämie. Inkassokosten. Risikokosten. Fondskosten. Rückkaufabschlag bei vorzeitiger Kündigung. Stornokosten. Transaktionskosten. Stückkosten.

Diese ganzen Kosten bringen keinen Mehrwert für den Kunden oder die Kundin. Sie dienen vor allem der Vertriebsebene.

Fazit #

Wir glauben, dass jede Vorsorge-Lösung ihre Kostenstruktur offen kommunizieren sollte. Wer das nicht tut, macht es den Menschen schwer, eine fundierte Entscheidung für ihre Zukunft zu treffen.

Wir halten die fondsgebundene Lebensversicherung für eine spannende Möglichkeit, KESt-befreit für die Zukunft vorzusorgen. Allerdings müssen die darin enthaltenen Kostenstellen argumentierbar und nachvollziehbar sein.

Mit Vorsorge ohne KESt bekommst du eine aktiv verwaltete Vorsorge, die den Steuervorteil der langfristigen Bindung mit professionellem Portfolio-Management kombiniert. Ob das die richtige Lösung für dich ist, hängt natürlich von deiner Lebenssituation ab. Wir sagen dir gern in einem Gespräch ehrlich, wo du am besten aufgehoben bist. Auch wenn das bedeutet, dass unsere neue Lösung vielleicht auch nicht das Richtige für dich ist. Aber überzeug dich am besten selbst.

*Quelle: fynup.at. Modellrechnung auf Basis einer monatlichen Veranlagung von 300 EUR über 30 Jahre (Gesamt: 108.000 EUR) bei einer angenommenen Wertentwicklung von 7 Prozent p.a. vor Kosten. Kapitalertragssteuer (KESt): 27,5 Prozent auf realisierte Gewinne. Versicherungssteuer: 4 Prozent auf die eingezahlten Prämien. Beispielkunde: männlich, 35 Jahre. Für Werte der durchschnittlichen fondsgebundenen Lebensversicherungen (FLV) wurden Tarife großer österreichischer Versicherer herangezogen; sämtliche Kosten (Abschluss-, Fonds- und laufende Kosten) sind berücksichtigt. Modellrechnungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen. Anlagen bergen Risiken.

Peter Saxer

Communications

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